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Nvidia notiert unter dem Marktmultiple trotz Rekordnachfrage nach KI-Chips

Nvidia-Investor-Newsletter für den Zeitraum 30. März bis 5. April 2026. Nach der GTC stellen Podcasts Nvidias Rekordnachfrage und geopolitisches Risiko einer überzogen wirkenden Bewertung gegenüber.

Nvidia Intelligence Briefing, 1.–5. April 2026

Woche vom 5. April 2026: Nvidia notiert unter dem Marktmultiple trotz Rekordnachfrage nach KI-Chips

Executive-Newsletter: Podcast-Einblicke und Marktanalyse


Die wichtigsten Themen der Woche

Die vergangenen fünf Tage brachten eine Welle strategischer Analysen zu Nvidia, geprägt von den Nachwirkungen der GTC 2026, einem Bewertungsparadoxon und zunehmenden geopolitischen Spannungen. In fünf großen Podcast-Episoden analysierten Branchenmanager und Analysten Nvidias Marktposition an diesem entscheidenden Punkt.


I. DAS BEWERTUNGSPARADOXON: HISTORISCHE MULTIPLE-KOMPRESSION TRIFFT AUF REKORDWACHSTUM

Zu Gast: Prof G Markets, Doug O'Loughlin (Präsident von SemiAnalysis)

Die Woche begann mit erhöhtem geopolitischem Risiko: Der iranische Revolutionsgarde (IRGC) kündigte an, im gesamten Nahen Osten große US-Technologiekonzerne einschließlich Nvidia ins Visier zu nehmen1. Die auffälligste Marktentwicklung der Woche kam jedoch vom Auftritt des SemiAnalysis-Präsidenten Doug O'Loughlin bei Prof G Markets.

Zentrale Erkenntnis: Nvidias erwartetes Kurs-Gewinn-Verhältnis (Forward P/E) ist erstmals seit 13 Jahren unter das des S&P 500 gefallen und notiert nun sogar niedriger als das von Exxon Mobil, obwohl für 2026 ein Umsatzwachstum von über 70 % erwartet wird.1 O'Loughlin führte diese Kompression auf Größen- und Liquiditätsdynamiken zurück, nicht auf eine fundamentale Verschlechterung, und erklärte: "Wenn man ganz oben steht, gelten irgendwie völlig andere, besondere Regeln … die Kapitalflüsse, die Liquidität arbeiten regelrecht gegen einen."

Er brachte diese Diskrepanz unverblümt auf den Punkt: "Ich glaube, dass anhaltend gute operative Umsetzung dafür sorgen wird, dass Nvidias Aktie und der Wert seiner Erträge wieder als wertvoll wahrgenommen werden." Die Episode zog Parallelen zu Apple, das in früheren Zyklen zeitweise mit dem 8-Fachen des Gewinns bewertet war, und legte nahe, dass Nvidia eine ähnliche generationsprägende Gelegenheit darstellen könnte.

Angebot-Nachfrage-Realität: O'Loughlin bekräftigte, dass die strukturelle Angebotsknappheit mindestens bis zum zweiten Halbjahr 2027 anhalten werde: "Die Nachfrage übersteigt das Angebot bei Weitem. Und beim Angebot gibt es eine ganz besondere Einschränkung: Es gibt praktisch keine nennenswerten neuen Kapazitäten, die vor der zweiten Jahreshälfte des kommenden Jahres ans Netz gehen."


II. GTC 2026: DIE BILLIONEN-DOLLAR-ROADMAP UND DER REALITÄTSCHECK BEI DER INFRASTRUKTUR

Zu Gast: AI Proving Ground Podcast, Chris Campbell (Senior Director bei WWT)

Jensen Huangs Keynote auf der GTC 2026 lieferte den strategischen Hintergrund für mehrere Episoden dieser Woche. Im AI Proving Ground Podcast sprach WWT-Senior-Director Chris Campbell über die tatsächlichen Realitäten beim Rollout vor Ort.

Wichtige Ankündigungen:

  • Chipbestellungen im Volumen von rund 1 Billion US-Dollar bis 2027 erwartet, aufgeteilt in 60 % Hyperscaler und 30 % Unternehmen
  • GPU-Besitz in Unternehmen muss bis 2028 von rund 10 % auf rund 40 % steigen – eine Vervierfachung in drei Jahren
  • Einführung von sieben verschiedenen Chips für den Inferenz-Stack, ein Signal für eine heterogene Compute-Strategie
  • "KI-Fabriken im Gigawatt-Maßstab" als neue Recheneinheit für Rollouts

Die Rollout-Krise: Campbell wies auf eine entscheidende Engstelle hin: "Zum ersten Mal übersteigt die Nachfrage jetzt das Angebot." Das Problem liegt nicht in der Verfügbarkeit der Chips, sondern in der Strom- und Kühlinfrastruktur. 2025 erhielten Unternehmen Nvidia-Pods, für die es aufgrund von zwei- bis dreijährigen Vorlaufzeiten beim Bau von Rechenzentren schlicht keinen Standort gab.

Skalenentwicklung: Die Rack-Dichte ist von 32 kW auf aktuell 600 kW gestiegen, 1.000 kW sind bereits in der Roadmap vorgesehen. Das NBL-72-Rack benötigt heute zu 85 % Flüssigkühlung, künftige Generationen sollen auf 100 % zusteuern. Campbell wies darauf hin, dass KI-Rechenzentren inzwischen "über 1.000 Terawattstunden Strom pro Jahr verbrauchen … mehr als 30 Länder zusammen".


III. DIE DEBATTE UM DEN INFERENZ-GRABEN: CUDAS UMSTRITTENE ZUKUNFT

Zu Gast: The Artificial Intelligence Podcast, Hagay Lupesko (SVP AI Inference bei Cerebras)

Die kontroverseste Debatte der Woche entstand im The Artificial Intelligence Podcast, wo Cerebras-SVP Hagay Lupesko Nvidias Wettbewerbsposition im am schnellsten wachsenden Segment der KI-Rechenleistung direkt infrage stellte.

Die provokante These: "CUDA ist kein Burggraben. Nvidia hat im Bereich Inferenz überhaupt keinen Burggraben. Das ist vielleicht die einfachste Art, es auf den Punkt zu bringen … Ich arbeite mit Hunderten von Kunden für Cerebras-Inferenz zusammen. Keiner von ihnen hat mich je nach einer CUDA-API gefragt."

Lupesko argumentierte, dass CUDA zwar für Trainings-Workloads, die eine hardwarenahe GPU-Programmierung erfordern, eine starke Bindung schafft, Inferenz jedoch über einfache REST-APIs läuft, auf die jeder Entwickler zugreifen kann. Da Inferenz inzwischen rund zwei Drittel der gesamten KI-Rechenleistung ausmacht und "schneller voranschreitet, als viele von uns erwartet hätten", ist diese Unterscheidung von enormer Bedeutung.

Wettbewerbslandschaft:

  • Cerebras gibt an, 10- bis 20-mal schnellere Inferenz als Nvidia-GPUs zu bieten, bei einer 2.500-mal höheren Speicherbandbreite als beim Blackwell B200
  • Eigenentwickelte Chips der Hyperscaler (Google TPU Ironwood, Amazon Trainium/Inferentia, Chips von Microsoft und Meta) "wachsen dieses Jahr sehr viel schneller als reine GPUs"
  • Cerebras-AWS-Partnerschaft angekündigt: Kombination von Wafer-Scale-Engines mit Amazon Trainium für disaggregierte Inferenz

Gemeinsame Beschränkung: Alle Wettbewerber stoßen an die Kapazitätsgrenzen von TSMC. Lupesko merkte an: "TSMC hat begrenzte Kapazitäten … die Produktion hochzufahren ist sehr langsam und teuer" – neue Fabriken erfordern Milliardeninvestitionen und rund 10 Jahre Bauzeit.

Gegenposition, Schwab Network: Steven Dickens präsentierte die optimistische Sichtweise und argumentierte, Nvidias Spende seiner Treiber als Open Source sei "dreidimensionales Schach, um Nutzer noch fester an das Nvidia-Ökosystem zu binden." Bei einem GPU-Marktanteil von über 90 % im April 2026 bleibt der Burggraben laut Dickens dank der Tiefe des Ökosystems außergewöhnlich stark.


IV. CHINA-EXPORTKONTROLLEN: DAS DURCHSETZUNGSPARADOXON VERSCHÄRFT SICH

Zu Gast: Good Revenue, Neeta Bidwai

Die geopolitische Nebenhandlung eskalierte dramatisch, als Super-Micro-Mitgründer Yih-Shyan Liaw sich in einem Bundesverfahren nicht schuldig bekannte, wonach er geholfen haben soll, in den USA montierte Server mit Nvidia-Chips im Wert von Milliarden Dollar unter Umgehung der Exportkontrollen nach China zu schmuggeln. Der Prozess ist für den 2. November vor der US-Bundesrichterin Edgardo Ramos angesetzt.1

Good Revenue ordnete das breitere regulatorische Umfeld ein:

Aktuelle Entwicklungen:

  • Die USA genehmigten den Verkauf von Nvidias H200-Chip nach China unter einem kontrollierten Rahmenwerk
  • Bestellungen von ByteDance, Alibaba und Tencent wurden bestätigt
  • Der Kongress warf Nvidia vor, "beim Co-Design von DeepSeeks Modell geholfen zu haben" – Vorwürfe, die "offenbar unbestritten sind"
  • Ein neues Chip-Sicherheitsgesetz passierte den zuständigen Ausschuss des Repräsentantenhauses
  • H200-Exporte an Tencent wurden genehmigt (Tencent wird vom US-Verteidigungsministerium als chinesisches Militärunternehmen eingestuft)

Das grundlegende Spannungsfeld: Bidwai machte auf die unlösbare Durchsetzungslage aufmerksam: "Wenn diese Regeln wirklich streng durchgesetzt werden, bedeutet das im Grunde, dass Nvidia kaum noch etwas verkaufen kann, wenn überhaupt. Und wenn die Regeln nur locker durchgesetzt werden – was tun wir dann eigentlich?"

Sie zitierte Jensen Huangs Position kritisch: "Nvidias CEO hat die militärischen Risiken beim Verkauf unserer Technologie an China öffentlich heruntergespielt. Und er hat argumentiert, dass wir chinesische Käufer durch den Export der besten verfügbaren Chips regelrecht an amerikanische Chips binden würden. Da China genau das aber nicht will, ist schwer nachvollziehbar, wie das langfristig aufgehen soll."

Schmuggelnetzwerke: Trotz Exportkontrollen laufen umfangreiche Schmuggeloperationen über Singapur, Malaysia, Thailand und die VAE weiter.


V. STRATEGISCHE EINORDNUNG: WAS DAS FÜR ANLEGER BEDEUTET

Das optimistische Szenario bleibt strukturell intakt:

  1. Nachfrage übersteigt Angebot bei Weitem bis mindestens zum zweiten Halbjahr 2027, ohne nennenswerte Kapazitätserweiterungen vor diesem Zeitpunkt
  2. Der Wendepunkt bei der Unternehmensadoption erfordert bis 2028 eine Vervierfachung des GPU-Besitzes
  3. Forward-P/E unter dem des S&P 500 bei über 70 % Umsatzwachstum = eine beispiellose Bewertungsdiskrepanz
  4. Marktanteil von über 90 % trotz zunehmenden Wettbewerbsdrucks gehalten
  5. Innovationstakt von rund 18 Monaten gegenüber den traditionellen 3- bis 4-jährigen Zyklen im Rechenzentrumsgeschäft

Doch die Risiken sind real und nehmen zu:

  1. Der Inferenz-Burggraben wird ernsthaft infrage gestellt – ausgerechnet im am schnellsten wachsenden Segment (zwei Drittel der gesamten KI-Rechenleistung)
  2. Regulatorisches China-Risiko verschärft sich durch verstärkte Kontrolle des Kongresses und Durchsetzungsparadoxien
  3. Skalenbedingte Multiple-Kompression, da das weltweit größte Unternehmen mit Index- und Liquiditätsbeschränkungen konfrontiert ist
  4. Infrastrukturengpässe begrenzen den Rollout trotz verfügbarer Chips
  5. Eigenentwickelte Chips der Hyperscaler gewinnen speziell im Inferenzbereich an Boden

Die zentrale Anlagefrage:

Ist Nvidias Bewertungskompression eine generationsprägende Kaufgelegenheit (Parallele zu Apple beim 8-Fachen des Gewinns) – oder preist der Markt zutreffend eine wettbewerbliche und regulatorische Erosion einer bislang nahezu monopolartigen Position ein?

O'Loughlins Sichtweise deutet auf Ersteres hin: operative Umsetzung wird zu einer Neubewertung (Re-Rating) führen. Lupeskos Einwand legt Letzteres nahe: Der Burggraben erodiert ausgerechnet dort, wo das Wachstum am schnellsten ist. Die kommenden Quartale dürften diese Spannung auflösen, sobald die Ergebnisse zum ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 und die Verkaufsdaten für H200 in China vorliegen.


REFERENZIERTE PODCAST-EPISODEN:

  1. Prof G Markets, mit Doug O'Loughlin (Präsident von SemiAnalysis) und Kevin Gordon (Schwab)
  2. AI Proving Ground Podcast, mit Chris Campbell (Senior Director bei WWT) zur Infrastruktur der GTC 2026
  3. The Artificial Intelligence Podcast, mit Hagay Lupesko (SVP AI Inference bei Cerebras)
  4. Schwab Network, mit Steven Dickens zu Nvidias Wettbewerbsvorteil und Ökosystem-Strategie
  5. Good Revenue, mit Neeta Bidwai zu China-Exportkontrollen und geopolitischem Risiko

AUSBLICK: DARAUF SOLLTEN ANLEGER ACHTEN

  • Kommentare von Jensen Huang oder Colette Kress zu vorläufigen Indikatoren für das erste Quartal des Geschäftsjahres 2027
  • Aussagen oder Zeugenaussagen von Handelsminister Howard Lutnick zur Chip-Exportpolitik
  • Ankündigungen zum Unternehmens-Rollout, die die Entwicklung von 10 % auf 40 % GPU-Besitz bestätigen (oder eben nicht)
  • Aktualisierte Capex-Prognosen der Hyperscaler aus den Quartalszahlen von Meta, Microsoft, Amazon und Google
  • Weitere Entwicklungen im Super-Micro-Schmuggelfall vor dem Prozessbeginn im November

Dieser Newsletter fasst verifizierte Podcast-Inhalte vom 1. bis 5. April 2026 zusammen. Alle Zitate stammen direkt aus den referenzierten Episoden. Anlageentscheidungen sollten über die Podcast-Kommentare hinaus zusätzliche Sorgfaltsprüfungen einbeziehen.