Newsletter · · Ashutosh Agarwal
Trumps Netflix-Aktiengeschäfte bringen politisches Risiko in eine solide fundamentale Story
Netflix-Investorennewsletter für den 20. bis 24. Mai 2026. Politischer Streit um Inhalte trifft auf solide NFLX-Fundamentaldaten, während Podcasts sich fragen, ob der Lärm eine Kaufgelegenheit ist.
The Netflix Signal, wöchentlicher Podcast-Newsletter
Woche vom 18. bis 24. Mai 2026: Trumps Netflix-Aktiengeschäfte bringen politisches Risiko in eine solide fundamentale Story
Woche vom 18. bis 24. Mai 2026
Top-Story dieser Woche: Trumps Netflix-Trade aus dem ersten Quartal taucht wieder auf
Bevor wir zur Podcast-Übersicht kommen, gibt eine Nachricht den Rahmen für die Lektüre dieser Woche vor: Zu den Aktiengeschäften von Präsident Donald Trump im ersten Quartal, die sich auf mindestens 220 Millionen US-Dollar belaufen, gehörten Netflix (NFLX), JPMorgan (JPM) und Disney (DIS). Trumps Geschäfte in diesen Unternehmen wurden auf rund 9 Millionen US-Dollar beziffert, und im Februar forderte er, dass Netflix das Vorstandsmitglied und ehemalige Beamtin der Obama-Regierung, Susan Rice, entlassen solle. Bemerkenswert ist, dass der Präsident wenige Tage vor seinen Äußerungen zu Susan Rice Netflix-Aktien im Wert von mindestens 250.000 US-Dollar kaufte und Anfang 2026 Disney-Aktien im Wert von bis zu 6 Millionen US-Dollar handelte.
Damit erhält eine Aktie, die in jüngsten Podcasts ohnehin schon intensiv diskutiert wird, zusätzlich eine politische Risikoebene. Nun zu diesen Diskussionen:
🎙️ Podcast-Rückblick (letzte 5 Tage)
1. InvestTalk, 11. Mai 2026 (wirkt in den Kommentarzyklus dieser Woche hinein)
Moderator: Justin Klein (CEO von KPP Financial) Einschätzung: ⚠️ Kurzfristig bärisch, langfristig bullisch
Klein ging auf einen Anrufer ein, der in den vergangenen sechs Monaten per Cost-Average-Strategie zu 106, 95 und 84–85 US-Dollar in NFLX investiert hatte. Seine Einschätzung: Netflix befindet sich im „Korrekturmodus“, und das Momentum zeigt nach unten. Die wichtigsten Punkte:
- 2024: Gewinn +65 %, Umsatz +15 % (Zahlen des Sprechers, ungeprüft)
- 2025: Gewinnwachstum verlangsamt sich auf +8 %, Umsatz +12 %
- Technische Marken, die er beobachtet: Zwischensupport bei rund 75 US-Dollar, wichtiger Support bei rund 60 US-Dollar
- Strategie: Zunächst Puts bei 75 US-Dollar verkaufen, dann bei 60 US-Dollar „wirklich Netflix aufsammeln wollen“
„Langfristig, denke ich, werden Sie gut dastehen, aber kurzfristig zeigt das Momentum eindeutig nach unten.“ – Justin Klein
Die These: Bewertungskompression, da sich das Gewinnwachstum deutlich verlangsamt. Das ist umso beachtenswerter, als Trumps rund 250.000-Dollar-Position in NFLX Berichten zufolge vor seinen Äußerungen zu Susan Rice aufgebaut wurde – politische Volatilität könnte Kleins Abwärtsszenario beschleunigen.
2. The Best One Yet, 8. Mai 2026 (Sonderfolge zum „Netflix Is A Joke“-Festival)
Moderatoren: Nick & Jack Einschätzung: ✅ Strukturell bullisch (Jack ist bei NFLX long positioniert)
Ausgehend von Netflix' „Netflix Is A Joke“-Comedy-Festival (475 Shows in 45 Veranstaltungsorten in L.A., 5. bis 11. Mai) argumentierten die Moderatoren, Netflix sei dank seines schlanken Content-Modells derzeit „der profitabelste Liebling der Medienbranche“.
Das von ihnen skizzierte „Vierfach-Monetarisierungs“-Modell:
- Ticketverkäufe der Live-Veranstaltungen des Festivals
- Anschließendes Streaming der daraus entstandenen Inhalte
- Extrem niedrige Produktionskosten („weniger als eine einzige Star-Wars-Szene“)
- Die neue Reality-Wettbewerbsshow „Funny AF“ mit Moderator Kevin Hart
„Comedy und Reality-TV sind die besten Geschäftsmodelle im Content-Bereich.“ – Nick „Je höher das Produktionsbudget, desto niedriger der Aktienkurs … die Wall Street belohnt erzielte Gewinne.“ – Jack
Der direkte Gegensatz: Disney (und damit auch Bob Iger, der auf unserer Liste der Schlüsselpersonen steht) wurde als abschreckendes Beispiel dargestellt – hohe Ausgaben für Kino- und Sportrechte drücken auf die Margen. Bemerkenswert angesichts Trumps deutlich größerer Disney-Position (rund 6 Mio. US-Dollar gegenüber rund 250.000 US-Dollar bei NFLX).
3. Rule Breaker Investing, Mai 2026
Moderator: David Gardner (The Motley Fool) Einschätzung: ➖ Neutral / illustrativ
Gardner führte Netflix als klassisches Underdog-Disruptions-Beispiel an: von Blockbuster über den DVD-Versand bis zur Dominanz im Streaming. Das diente eher zur Veranschaulichung einer allgemeineren Investmentlektion als einer konkreten aktuellen Anlageempfehlung, bekräftigt aber die auch von Klein genannte langfristig bullische Erzählung.
🔗 Rule Breaker Investing-Episode
🔍 Was in der Diskussion fehlt
Auffällig abwesend in den jüngsten Podcasts:
- Keine Auftritte von Schlüsselpersonen auf unserer Beobachtungsliste diese Woche: Ted Sarandos, Greg Peters oder Reed Hastings (Netflix-Führungskräfte); Sell-Side-Analysten Jessica Reif Ehrlich oder Michael Pachter; Streaming-Kommentator Matthew Ball; oder die Regulierer Brendan Carr (FCC) oder Andrew Ferguson (FTC).
- Keine Diskussion über: ARPU im Werbe-Tarif, Abonnentenzahlen, Bieten um Sportrechte, die Umsetzung der Maßnahmen gegen Passwort-Sharing oder den Wettbewerbsdruck durch Disney+/Max.
- Der politisch-regulatorische Aspekt (Trumps NFLX-Position, der Druck auf den Vorstandssitz von Susan Rice, die FCC-Prüfung von Disney) wurde diese Woche von keinem Podcast aufgegriffen – eine Lücke, die es weiter zu beobachten gilt.
📊 Fazit für Investoren
Der Podcast-Konsens dieser Woche teilt sich klar in zwei Lager:
| Sichtweise | Quelle | Zeithorizont |
|---|---|---|
| Bei Erholung verkaufen, bei 60–75 US-Dollar kaufen | InvestTalk (Klein) | 3–12 Monate |
| Bestes Geschäftsmodell der Medienbranche | The Best One Yet (Jack/Nick) | Mehrjährig |
| Klassisches Disruptor-Framework | Rule Breaker Investing (Gardner) | Langfristig |
Beide Lager stimmen darin überein, dass die langfristige These intakt ist. Uneinigkeit besteht ausschließlich beim Einstiegszeitpunkt. Rechnet man Trumps politisch motivierte NFLX-Position und den zeitweiligen Druck des Weißen Hauses auf den Vorstand hinzu, ergibt sich eine Aktie, bei der die Fundamentaldaten in die eine Richtung weisen, Politik und Charttechnik in die andere.
Im Blick behalten für nächste Woche: jede Podcast-Reaktion auf die Offenlegung des Trump-Netflix-Trades sowie die Frage, ob einer unserer wichtigsten Sell-Side-Analysten (Ehrlich, Pachter) sich öffentlich zur Wachstumsverlangsamung äußert.
Quellen: