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Nikes Umsatzeinbruch in China belastet die Aktie, während Trader auf eine überverkaufte Erholung setzen
Nike-Investorennewsletter für den Zeitraum 20.–24. Mai 2026. Chinas Konsumschwäche trifft auf einen durch das Trump-Handelsabkommen ausgelösten Kursanstieg, während Podcasts diskutieren, ob NKEs Turnaround-Setup einen Boden findet.
The Nike Wire
Woche vom 20.–24. Mai 2026: Nikes Umsatzeinbruch in China belastet die Aktie, während Trader auf eine überverkaufte Erholung setzen
Willkommen zurück. Der Podcast-Zirkus dieser Woche lieferte zwei scharf gegensätzliche Sichtweisen auf Nike (NKE): auf der einen Seite ein taktisches Setup für eine Aktie, die nahe mehrjähriger Tiefstände notiert, auf der anderen Seite eine ernüchternde strukturelle Analyse des Zusammenbruchs von Nike in China. Bemerkenswert ist, dass keine der von uns beobachteten Schlüsselfiguren aus Management oder Sell-Side-Analyse (Elliott Hill, Matthew Friend, Sam Poser, Jay Sole, Matt Powell) diese Woche in einem Podcast aufgetreten ist. Das Narrativ wird derzeit von Journalisten und Tradern bestimmt, nicht vom Management oder der Wall Street.
🎙️ Folge 1: "The Big 3", Schwab Network (20. Mai 2026)
Gäste: Don Kaufman (Mitgründer von TheoTrade) und Rick Ducat (technischer Analyst)
Dieses Segment stellte Nike als eine stark abgestrafte Trading-Position dar, nicht als Turnaround-Story. Bei einem Minus von rund 32 % seit Jahresbeginn, rund 46 % unter den jüngsten Höchstständen und über 70 % unter dem Allzeithoch notiert die Aktie an einer technischen Unterstützung, die seit 2021 nicht mehr getestet wurde.
Die wichtigsten Erkenntnisse:
- Rick Ducat bezeichnete die Zone von 41 bis 42 US-Dollar als entscheidende langfristige Unterstützung (der frühere Widerstand aus dem Jahr 2013, der nun zur Unterstützung geworden ist), wobei hohes Handelsvolumen auf eine Bodenbildung hindeutet. Widerstandsmarken liegen bei 47 US-Dollar sowie bei einer Kurslücke von 51,69 US-Dollar. Der 21-Tage-EMA liegt bei 43,70 US-Dollar.
- Don Kaufman positioniert sich für ein "kurzfristiges Rebound-Trade zurück in den Markt", ausdrücklich nicht als langfristig bullishe These. Er brachte eine Call-Vertikal-Spread mit Verfall am 18. Juni bei 42,50/45 US-Dollar für eine Prämie von rund 0,87 US-Dollar ins Spiel (maximaler Gewinn 1,63 US-Dollar). Hinweis: Dieser Verfallstermin liegt inzwischen in der Vergangenheit.
"Hohes Handelsvolumen bei stabilen Kursen auf diesem Niveau wird üblicherweise als Bildung eines bedeutenden Bodens interpretiert … Das heißt aber nicht, dass er auch hält.", Rick Ducat
Fazit: Trader spekulieren auf eine überverkaufte Erholung. Niemand in diesem Segment lieferte ein fundamentales Bullen-Argument.
🎙️ Folge 2: "Warum Nike den Sneaker-Krieg in China verliert", The Journal (WSJ, 20. Mai 2026)
Gast: Jon Emont, WSJ-Korrespondent für Asien
Dies war die bedeutendste Nike-Episode der Woche, eine strukturelle Analyse dazu, warum Nike von 20 aufeinanderfolgenden Quartalen mit zweistelligem Wachstum in China (verkündet 2019) nun in diesem Quartal einen Umsatzrückgang von rund 20 % in China erwartet.
Emonts vier zentrale Bären-Argumente zu China:
- Geopolitischer Gegenwind: Nikes Entscheidung von rund 2021, kein Baumwolle aus Xinjiang zu beziehen, löste nationalistische Boykotte und das Verbrennen von Sneakern aus. "Es hat schlicht gezeigt, wie viel schwieriger es geworden ist, sowohl in den USA beziehungsweise im Westen als auch gleichzeitig in China erfolgreich zu sein."
- Aufholende inländische Konkurrenz: Anta (gegründet 1991) und Li Ning setzen inzwischen fortschrittliche Schaumstofftechnologie und chinesische Materialwissenschaftler ein und unterbieten Nike preislich. Emont zufolge hat Anta Klay Thompson und Kyrie Irving unter Vertrag genommen, Li Ning wiederum Dwyane Wade.
- Innovationsmüdigkeit: Nike hat sich zu stark auf Air Jordans verlassen, während jüngere chinesische Konsumenten Michael Jordan kaum noch kennen und sich frische Innovationen wünschen.
- Rückstand im digitalen Handel: Nike zögerte bei Douyin und Livestream-Verkäufen, während Anta bereits KI-Avatare für Livestream-Verkäufe einsetzt.
Zu den Erholungsbemühungen: Nike gab im März 2026 an, unverkaufte Lagerbestände abzuschreiben, Filialen in China zu modernisieren und verwies auf Wachstum im Laufschuh-Segment. Emont hält diese Maßnahmen für unzureichend.
"Nikes Höhepunkt in China war so hoch, und das Unternehmen war so erfolgreich und so dominant. Es ist wirklich schwer vorstellbar, jemals wieder zu solch olympischen Höhen aufzusteigen.", Jon Emont
"Unser Ziel ist es nicht, das Nike Chinas zu sein. Unser Ziel ist es, das Anta der Welt zu sein.", CEO von Anta, zitiert von Emont
📊 Die Synthese
Zwei Erzählstränge, eine Aktie:
- Kurzfristig: Technisch überverkauft, mögliche Bodenbildung bei 42 US-Dollar. Taktische Trader steigen vorsichtig ein.
- Langfristig: Ein WSJ-Korrespondent hat gerade ein strukturelles Bären-Argument zu Nikes wichtigstem internationalen Wachstumsmarkt dargelegt, ohne klaren Ausweg.
Was in der Diskussion fehlt:
- Kein Kommentar von Elliott Hill zur Umsetzung des Turnarounds
- Keine Auftritte von Matthew Friend zu Kapitalallokation oder Prognosen
- Schweigen von Sell-Side-Stimmen wie Sam Poser oder Jay Sole
- Keine Berichterstattung über die Dynamik im US-Großhandel, den DTC-Wiederaufbau oder die Produktpipeline
- Keine regulatorischen Signale von der FTC oder Handelsbehörden
Das narrative Vakuum aus Nikes eigener Führungsebene ist selbst eine Story wert. Während sich das Unternehmen im vierten Quartal des Geschäftsjahres 2026 befindet, erhalten Investoren ihre Einschätzungsupdates von Journalisten und Chartanalysten, nicht von der Chefetage oder der Wall Street.
📅 Worauf zu achten ist
- Jeder Podcast-Auftritt von Elliott Hill oder Matthew Friend im Vorfeld der Zahlen zum Geschäftsjahr 2026
- Der nächste Branchenkommentar von Matt Powell (Kontext zum Fußwear-Sektor)
- Der Reaktionszyklus der Sell-Side nach den nächsten Quartalszahlen, insbesondere von Sam Poser (Williams Trading) und Jay Sole (UBS)
Quellen: