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Conagra-Daten widerlegen die GLP-1-Angst bei Lebensmitteln, während Kroger einen Preiskrieg startet
Newsletter zu Konsumgütern sowie Lebensmittel und Einzelhandel für die Woche vom 31. Mai 2026. Ein Interview mit einem Conagra-Manager widerlegt mit verifizierten Kaufdaten die These, GLP-1 zerstöre das Geschäft mit verpackten Lebensmitteln, während der neue CEO von Kroger den Preiskrieg offiziell macht.
Der Consumer-Staples-Brief
Woche vom 31. Mai 2026: Conagra-Daten widerlegen die GLP-1-Angst bei Lebensmitteln, während Kroger einen Preiskrieg startet
Hallo,
Ruhige Woche an der Nachrichtenfront, aber das eine Interview mit einem Branchenmanager, das diese Woche erschienen ist, liest man gleich zweimal. Bob Nolan, der bei Conagra den Bereich Growth Science leitet, war zu Gast bei The CPG Guys und hat dort mit eigenen Paneldaten leise das gängige Narrativ widerlegt, wonach GLP-1 das Geschäft mit verpackten Lebensmitteln zerstört. Zugleich ist Greg Forans erster echter Schritt bei Kroger genau der Preiskrieg, den die Wall Street befürchtet hatte. Schauen wir uns das genauer an.
Zusammenfassung
- Conagras Panel aus verifizierten Kaufdaten von GLP-1-Nutzern zeigt, dass diese etwas mehr, nicht weniger für Lebensmittel ausgeben. Gewinner sind Tiefkühl-Einzelportionen, Fleischsnacks, Riegel und Energieprodukte; Süßwaren, Kekse, süßes Gebäck und Alkohol werden hingegen „regelrecht abgestraft". Für CAG eine klar positive Lesart, für das Süßwarengeschäft von HSY eine klar negative.
- Walmart Connect wuchs im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 um +44 % (inklusive Vizio-Integration), die US-Vergleichsumsätze legten um +4,1 % zu, der US-E-Commerce um +26 %. Der Sog der Trade-Spend-Ausgaben wird für jeden Konsumgüterhersteller, der an Bentonville liefert, immer stärker.
- Kroger geht unter dem neuen CEO aggressiv bei den Preisen vor. Greg Foran kündigte „deutliche Preissenkungen über alle Vertriebslinien hinweg", Direktimporte sowie rund 80 neue Filialen im Jahr 2027 an (doppelt so viele wie in diesem Jahr). Der Promotionsdruck schlägt direkt auf die Regalökonomie von KHC, CAG, CPB, K und MDLZ durch.
Was diese Woche neu ist
1) Conagra hat einen GLP-1-Datensatz, und der sagt nicht das, was man erwarten würde. Bei The CPG Guys ("Avoiding the Validation Trap with Conagra Brands' Bob Nolan", 27. Mai 2026) erläuterte Nolan ein monatlich aktualisiertes Panel aus verifizierten Käufen, das GLP-1-Nutzer mit einer gematchten Kontrollgruppe vergleicht. Die zentrale Aussage: GLP-1-Nutzer geben etwas mehr für Lebensmittel aus, nicht weniger, das Gegenteil der selbstberichteten Umfragen aus 2023, die die Bewertungsmultiplikatoren im Lebensmittelsektor einbrechen ließen. Die Struktur der Ausgaben verändert sich allerdings. Tiefkühl-Einzelportionen, tiefgekühlte Vorspeisen, Tiefkühlgemüse, Fleischsnacks, Energydrinks und Riegel gehören zu den Gewinnern. Süßes Gebäck, Süßwaren, Kekse und Alkohol werden laut Nolan „in den Daten jedes Mal regelrecht abgestraft". Jede Kalorie, so Nolan, „muss einen Zweck erfüllen". Für CAG-Aktionäre ist dies die bislang klarste Widerlegung der GLP-1-Short-These. Für HSY gilt das Gegenteil.
2) Conagras Innovationsmotor in Zahlen. In derselben Episode sagte Nolan, die Ausfallquote neuer Lebensmittelprodukte liege branchenweit nach zwei Jahren bei rund 80 %, während Conagra die eigene Quote auf etwa die Hälfte gesenkt habe (also auf rund 40 %), indem rund 15 Millionen US-Dollar aus klassischer Konzepttest-Forschung in verhaltensbasierte Signale umgeschichtet wurden (Foodservice-Speisekarten, Scan-Daten aus dem Naturkosthandel, E-Commerce-Kassenbons, Social Media). Mega Breakfast Bowls schaffte es innerhalb von zwei Monaten von der Idee ins Regal. Healthy Choice trägt inzwischen das Label „OnTrack", um GLP-1-Eignung zu kennzeichnen, ohne die Rezeptur zu ändern. Die Trefferquote sollte man mit dem üblichen Abschlag für Managementaussagen bewerten, doch Geschwindigkeit und Dateninfrastruktur sind real und zeigen sich in der Regalumschlagsgeschwindigkeit.
3) Walmarts Schwungrad dreht sich weiter, und Werbung ist der Motor. Laut „Commerce Riff with Sri & PVSB" (The CPG Guys, 26. Mai 2026): Walmarts Umsatz im ersten Quartal des Geschäftsjahres 2027 lag bei 177,8 Mrd. US-Dollar (+7,3 %), die US-Vergleichsumsätze bei +4,1 %, der US-E-Commerce bei +26 %, Sam's-E-Commerce bei +23 %, internationaler E-Commerce bei +27 %. Wirklich interessant ist die Werbesparte: globale Werbeeinnahmen +37 %, US-Werbeeinnahmen +36 %, Walmart Connect (inklusive integrierter Vizio-Daten) +44 %. Das operative Ergebnis wuchs bei rund 250 Basispunkten Belastung durch Treibstoff- und Logistikkosten nur um +5 %, das Kerngeschäft trägt also das Volumen, während die Werbesparte die Marge trägt. Zum Vergleich: Target verzeichnete zwar +6,7 % Umsatzwachstum, der Gewinn je Aktie fiel jedoch von 2,27 auf 1,71 US-Dollar im Jahresvergleich.
4) Krogers Schwenk zum Preiskrieg ist da. Aus derselben „Commerce Riff"-Episode, unter Berufung auf ein Bloomberg-Interview: Der neue CEO Greg Foran hat sich zu „deutlichen Preissenkungen über alle Vertriebslinien hinweg", Direktimporten zur Senkung der Wareneinstandskosten sowie rund 80 neuen Filialen im Jahr 2027 (etwa doppelt so viele wie im laufenden Jahr) verpflichtet, mit möglichen Zukäufen im Nordosten und in Florida obendrauf. Er nannte Aldi und Trader Joe's explizit neben Walmart, Amazon und Costco als Bedrohung.
5) Das strukturelle Problem der Center-Store-Regale wird offen benannt. Eine Meinung, keine Aussage eines Branchenmanagers, aber erwähnenswert, weil dieser Rahmen immer wieder auftaucht: PVSB argumentierte, etablierte Lebensmittelhändler „widmeten weiterhin enorme Verkaufsfläche rückläufigen Center-Store-Kategorien", während Frische- und Fertiggerichte die eigentliche Kundenfrequenz treiben. Das ist eine Einschätzung, keine Zahl, aber genau der gerichtete Gegenwind, den jeder CFO im Center-Store-Geschäft insgeheim durchrechnet.
Die Debatte
Der Ton diese Woche ist einseitig, und die vertretene Seite ist selektiv bullish bei den richtigen Portfolios verpackter Lebensmittel und breit bearish bei der Ökonomie zwischen Einzelhändlern und Konsumgüterherstellern.
Die bullishe These laut Nolan: Die GLP-1-Panik wurde von Umfragen getrieben, nicht von Kassenbons. Daten auf Kassenbon-Ebene zeigen, dass Nutzer ihre Ausgaben genau in die Kategorien umlenken, in denen CAG (und damit auch tiefkühllastige Wettbewerber) überdurchschnittlich stark aufgestellt sind. Die Innovationszyklen verkürzen sich rasant. Wer Verhaltensdaten mehr vertraut als Umfragedaten, sieht in Tiefkühl-Einzelportionen und proteinbetonten Portfolios Nutznießer eines strukturellen Ernährungswandels, nicht dessen Opfer.
Die bearishe These wurde diese Woche in den Podcasts nicht direkt ausgesprochen, steckt aber implizit in den Zahlen von Kroger und Walmart: Die Regalfläche wird rationalisiert, die +44 % bei Walmart Connect sind irgendjemandes Trade-Spend-Budget, und Kroger steht kurz davor, bei jedem Lieferanten im eigenen Sortiment mit dem Preishammer zuzuschlagen. Selbst wenn die Absatzbasis hält, gerät die Stückkostenökonomie der Marken auf diesen Regalen von beiden Seiten unter Druck.
„Die Evidenz zu Talg ist um tausend Prozent gestiegen, aber die Basis ist immer noch sehr klein.", Bob Nolan, The CPG Guys, 27. Mai 2026
Die These der strukturellen Deflation beziehungsweise „Handelsmarken fressen weiter die Preissetzungsmacht der Markenhersteller auf" wurde diese Woche nicht vertreten; die Kakao- und Kaffee-Podcasts, denen wir folgen, sind schlicht nicht erschienen.
Die Aktien im Fokus
CAG, zunehmend konstruktiv. Vom Management offengelegte GLP-1-Daten, ein schnellerer Innovationszyklus, das OnTrack-Label sowie die Pipeline von Foodservice über Naturkosthandel bis zum Supermarkt sind allesamt positive Argumente für die Investmentthese. Da keine finanzielle Prognose gegeben wurde, bleibt dies qualitativ, doch die beschriebene Dateninfrastruktur ist ein echter Wettbewerbsvorteil gegenüber Konkurrenten, die noch auf Konzepttests setzen. Nächster Katalysator: der Bericht zum vierten Geschäftsquartal von CAG sowie etwaige Angaben zum GLP-1-Kohorten-Umsatzanteil nach Kategorie.
HSY, zunehmend vorsichtig. Dass ein Panel eines Wettbewerbers mit verifizierten Kaufdaten Süßwaren und Kekse als GLP-1-Verlierer benennt, ändert für sich genommen nicht die Investmentthese, ist aber ein weiterer Datenpunkt in die falsche Richtung, zusätzlich zum Kakao-Kostenproblem, das diese Woche nicht behandelt wurde. Achten Sie auf den Kommentar zur Volumenelastizität bei saisonalen Süßwaren im nächsten Quartalsbericht.
WMT: Die Plattform gewinnt, der Margenmix verschiebt sich. Das Wachstum von +44 % bei Walmart Connect ist der bislang klarste Beleg dafür, dass die Werbesparte die eigentliche Geschichte hinter der operativen Marge ist. Das im Vergleich zum Umsatz schwächere operative Ergebnis ist kein Thesenbrecher, solange sich der Werbe-/Marktplatz-Mix weiter positiv verschiebt.
KR, Vorsicht geboten. Forans Strategie (Preise runter, Investitionen rauf, Filialzahl rauf) ist ein mehrjähriges Vorhaben; kurzfristig belastet sie Bruttomarge und die Wahrnehmung beim Gewinn je Aktie. Die Kehrseite ist Marktanteilsgewinn, doch Walmarts E-Commerce-Wachstum von +26 % zeigt, dass dieser Anteilskampf bergauf verläuft.
CPB, K, MDLZ, KDP, UL, DASH, CART, COST, ACI, TGT, THS: diese Woche keine verwertbaren, unternehmensspezifischen Kommentare von Branchenmanagern in den Podcasts.
Übertragungseffekte
- Süßwarenhersteller und verpackter Kaffee (HSY, MDLZ, KDP): Angrenzende Managementdaten zur GLP-1-Substitution sind für zuckerlastige Portfolios wenig hilfreich. Diese Woche gab es in den Podcasts keine Kommentare zu Kakao oder Arabica/Robusta; die Kostendebatte muss bis zur nächsten Woche warten.
- Foodservice als Frühindikator: Conagra kauft explizit Menüdaten aus dem Schnellrestaurant-/Fast-Casual-Segment, rechnet mit einer Verzögerung von rund zwei Jahren vom Naturkosthandel bis zum Mainstream-Supermarkt und wertet derzeit Signale zum Boom bei Hähnchen-Protein sowie zu globalen/ethnischen Küchentrends aus. Wer den Tiefkühlbereich abdeckt, sollte beobachten, was bei Sweetgreen, Chipotle und Wingstop gerade angesagt ist.
- Retail-Media-Budgets der Konsumgüterhersteller: Die +44 % bei Walmart Connect müssen irgendwoher kommen, wahrscheinlich aus Performance-Werbebudgets bei Meta/Google sowie aus Trade-Spend im stationären Handel. So oder so wandert damit Bruttomarge aus den Gewinn- und Verlustrechnungen der Marken in die von Walmart.
- Handelsmarken/Hard-Discount: Diese Woche keine eigene Berichterstattung, aber Forans explizite Nennung von Aldi und Trader Joe's bestätigt, dass die Erzählung vom Marktanteilsgewinn der Discounter auf C-Level-Ebene beim zweitgrößten US-Lebensmittelhändler ernst genommen wird.
Was sich verändert hat
Die neuen Datenpunkte dieser Woche: (a) ein glaubwürdiges, vom Management offengelegtes Panel, das der GLP-1-Short-These bei verpackten Lebensmitteln widerspricht, und (b) das Preiskriegs-Signal bei Kroger, das vom Gerücht zur offiziellen Strategie wurde. Kakao, Kaffee, die Stückkostenökonomie im Quick-Commerce sowie Handelsmarken-Auftragshersteller kamen in den von uns verfolgten Podcasts diese Woche nicht vor; wir greifen sie auf, sobald dazu berichtet wird.