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Zölle treffen zuerst grenzüberschreitende LKW-Volumina, während sich der Einzelhandelsboom im ersten Quartal als vorgezogene Steuererstattung entpuppt
Freight and consumer-supply-chain weekly for May 26–29, 2026. The first operator-confirmed tariff bite shows up in cross-border truck volumes, not apparel hangtags, while a Q1 retail melt-up gets increasingly tagged as a tax-refund pull-forward.
Fracht & Verbraucher-Lieferkette
Woche vom 26.–29. Mai 2026: Zölle treffen zuerst grenzüberschreitende LKW-Volumina, während sich der Einzelhandelsboom im ersten Quartal als vorgezogene Steuererstattung entpuppt
Diese Woche kurz und knapp. Die Diskussion über Bekleidungszölle, auf die wir immer wieder warten, tauchte in den Podcasts kaum auf, doch der Zollbiss zeigte sich trotzdem, nur an anderer Stelle: bei den grenzüberschreitenden LKW-Volumina. Gleichzeitig wurde die K-förmige Spaltung der Verbraucher noch schärfer, mit heißlaufenden Ausgaben der wohlhabenden Kundschaft und spürbar angespannten einkommensschwachen Käufern. Hier ist, was die Investmentthese diese Woche tatsächlich bewegt hat.
Kurz zusammengefasst
- Das erste harte, von Betreibern bestätigte Anzeichen dafür, dass Zölle die reale Wirtschaftsaktivität tatsächlich bremsen, kommt nicht aus einer Macy's-Telefonkonferenz, sondern aus den mexikanischen LKW-Volumina 2025, dem ersten Rückgang außerhalb einer Rezession seit 2003.
- Daten von Walmart, Ross und American-Express-Kartenumsätzen deuten allesamt auf einen Ausgabenanstieg im ersten Quartal hin, den Moderatoren zunehmend auf den Zeitpunkt der Steuererstattungen zurückführen, also einen Vorzieheffekt statt einer nachhaltigen Steigerung. Das zweite Halbjahr gilt es zu beobachten.
- Thema A (Zollrechnungen für NKE/GPS/M/KSS/VFC) war diese Woche in den Podcasts ruhig. Stille sollte nicht als Klärung missverstanden werden: Der Berichtszyklus des Fachhandels steht unmittelbar bevor.
📦 Was neu ist
1. „Das schreit förmlich nach Zöllen." ATA-Chefökonom Bob Costello spricht es offen aus.
In Supply Chain Now's ausführlicher Analyse des Q1 U.S. Bank Freight Payment Index führte Bob Costello, Chefökonom der American Trucking Associations, den ersten Rückgang der nach Mexiko gerichteten LKW-Volumina außerhalb eines Rezessionsjahres seit 2003 direkt auf Zölle zurück. Auch die grenzüberschreitende LKW-Aktivität mit Kanada ist rückläufig, insbesondere im Automobilbereich. Costello fügte hinzu, dass Zölle auf in Mexiko gebaute LKW und Anhänger die Flottenerneuerungsaufträge dämpfen: „Die LKW-Bestellungen steigen, aber es handelt sich größtenteils um Ersatzbeschaffungen, nicht um einen großen Kapazitätsaufbau." Zwei Erkenntnisse für das Portfolio: (i) Die Inflation, die wir bald bei den Anlandekosten für Bekleidung sehen werden, wird mit realen, nicht theoretischen Frachtkosten modelliert, und (ii) die Preissetzungsmacht von FDX/UPS/ODFL/XPO/CHRW wird durch Kapazitätsdisziplin gestützt, nicht durch Nachfrage – eine wichtige Nuance gegenüber der optimistischen Stimmung am Frachtmarkt.
„Der per LKW abgewickelte Handel mit Kanada ist rückläufig … Die mexikanischen LKW-Volumina 2025 verzeichneten den ersten Rückgang außerhalb eines Rezessionsjahres seit 2003. Das schreit förmlich nach Zöllen."
Bob Costello, Chefökonom der ATA
2. Frachtausgaben im ersten Quartal „stärkste seit dem Pandemie-Boom", doch dahinter steckt eine Angebotsgeschichte.
In derselben Episode berichtete Bobby Holland von U.S. Bank: Die nationalen Frachtausgaben stiegen im ersten Quartal um 12,9 % gegenüber dem Vorquartal und um 21,8 % gegenüber dem Vorjahr, wobei erstmals seit dem zweiten Quartal 2022 alle fünf US-Regionen zweistellige Zuwächse gegenüber dem Vorjahr verzeichneten. Und die Mengen? Weitgehend unverändert. Das ist ein durch Kapazität, nicht durch Nachfrage getriebener Preisanstieg – genau das Setup, das schnell kippt, sobald ein Verlader zurückzuckt. Es lohnt sich, dies mit dem Dieselwert zu verknüpfen, den Holland hervorhob: Der Straßendieselpreis in Kalifornien erreichte am 30. März 2026 mit 7,22 US-Dollar pro Gallone ein Allzeithoch; der nationale Durchschnitt lag bei 5,60 US-Dollar. Die Anlandekosten für alles, was über Häfen an der Westküste kommt, sind genau in dem Moment gestiegen, in dem Einzelhändler versuchen, mit Lieferanten über Kostenteilung zu verhandeln.
3. Walmarts Quartal und der Ausgabenboom bei American-Express-Topkunden.
Die Watson-Weekly-Episode vom 29. Mai brachte die K-förmige Spaltung in Zahlen. Walmart: US-Filialumsätze auf vergleichbarer Fläche +4,1 %, Umsatz +7,3 %, globaler E-Commerce +26 % (gegenüber rund 8 % bei Amazon), Werbeeinnahmen von Walmart Connect +44 %, US-Marktplatz rund +50 %, Werbung weltweit +37 %. Die Moderatoren zitierten frühere Kommentare, wonach rund 75 % der Marktanteilsgewinne von Walmart von wohlhabenden Kunden stammen: Die Geschichte „Der Whole-Foods-Kunde ist jetzt auch Walmart-Kunde" ist real und wird durch Zahlen belegt. Auf der anderen Seite: Die Kartenausgaben von American-Express-Karteninhabern stiegen um 10 % (ein Dreijahreshoch), die Einzelhandelsausgaben um 11 %, Luxusausgaben um 18 %, und 70 % der neuen Amex-Konten der Generation Z entfielen auf Karten mit Jahresgebühr. Ross Stores meldete vergleichbare Umsätze von +17 %.
4. Der Vorzieheffekt, der die Optimisten beunruhigt.
Die eigene Einordnung der Watson-Weekly-Moderatoren zu genau diesen Zahlen liefert die klarste Formulierung der Bärenthese, die wir diese Woche gehört haben: dass der Vergleichsumsatz von +17 % bei Ross und der breitere Einzelhandelsboom im ersten Quartal durch das Timing der Steuererstattungen befeuert wurden („dieses Geld brannte den Leuten in der Tasche") und „dieses Geld ist inzwischen größtenteils ausgegeben". Sollten sie recht behalten, lauert das Risiko einer Verlangsamung im zweiten Halbjahr vor jedem Value-/Discount-Titel, der gerade eine Spitzenkennzahl gemeldet hat. Es lohnt sich, im zweiten Quartal genau auf das Verhältnis von Kundenfrequenz zu Bonhöhe zu achten: Durch Erstattungen getriebene Aktivität sollte sich zunächst in einer stärkeren Bonhöhe und anschließend in nachlassender Kundenfrequenz zeigen.
⚖️ Die Debatte
In den Podcasts dieser Woche kam bei den großen Debatten jeweils nur eine Seite wirklich zu Wort. Das Argument, dass Zölle spürbar wirken: bestätigt, doch sie treffen zunächst Fracht und grenzüberschreitenden Handel, während der Kampf um die Weitergabe der Kosten bei Bekleidung noch bevorsteht. Das Argument, dass der Trend zum Trading-down in Richtung Value-Produkte real ist: zahlenmäßig bestätigt, doch die den Betrieben nahestehenden Stimmen relativieren ihn zunehmend mit dem Hinweis „das waren Steuererstattungen". Der Gegeneinwand der Optimisten, dass der Wechsel einkommensstarker Käufer zu Walmart und Costco einen dauerhaften Rückenwind für Marktanteile darstellt, der auch die Erholung der Konsumausgaben überdauert, kam in den von uns diese Woche verfolgten Podcasts nicht zur Sprache. Das bleibt vorerst offen, bis Costco, TJX und Dollar General ihre Zahlen vorlegen.
Die schwierigere Debatte, ob die Bekleidungsbranche den kombinierten Zoll von rund 14 % weitergeben kann oder ob dies die Bruttomargen dauerhaft absenkt, wurde diese Woche in keiner Episode behandelt. Stille sollte nicht mit Klärung verwechselt werden.
🔁 Übertragungseffekte
- Discount-Einzelhandel (TJX, ROST, BURL): Die Vergleichsumsatzmarke von +17 % bei Ross ist jetzt der Maßstab, an dem sich jeder Discount-Titel messen lassen muss. Sollte sich die Zuordnung zu den Steuererstattungen bestätigen, ist das Risiko einer zweiten Ableitung real, und die leicht erreichbaren Zahlen liegen bereits hinter uns.
- Grenzüberschreitende Fracht (CHRW, XPO, ODFL, FDX, UPS): Costellos Kommentare zu Mexiko/Kanada treffen den Intermodal- und Trockenfracht-Mix direkt. Die kapazitätsgetriebene Preisstärke ist kurzfristig optimistisch, langfristig jedoch fragil: Zuckt ein Verlader zurück, verschwindet das Gebot sofort.
- Kaufhäuser im mittleren Segment (M, KSS): Watson bezeichnete Target explizit als Marktanteilsabgeber an Walmart. Wenn Target Anteile an Walmart verliert, verlieren Macy's und Kohl's Anteile sowohl an Walmart als auch an Ross: Der Druck ist strukturell, nicht zyklisch.
- LKW-/Anhänger-Hersteller (PCAR, WNC, ALSN): Zölle auf in Mexiko gebaute Ausrüstung dämpfen die Bestellungen im Ersatzzyklus. Das ist ein Gegenwind bei Flottenkapitalausgaben, der sich hinter der Schlagzeile „Frachtraten sind großartig" verbirgt.
- Markenbekleidung / Konsumgüter im mittleren Segment: Diese Woche gibt es in den Podcasts keine direkten Belege, doch die Stärke von Walmarts Eigenmarken und Marktplatzgeschäft hält den Übertragungseffekt am Leben. Wer für die zweite Jahreshälfte long in Markenbekleidung positioniert ist, wettet gegen genau denselben Markt, der gerade ein Wachstum von +50 % beim Walmart-Marktplatz gemeldet hat.
🔄 Was sich geändert hat
Der konkreteste neue Datenpunkt dieser Woche ist die von Betreibern bestätigte Kompression der grenzüberschreitenden LKW-Volumina: Das ist der klarste Beleg dafür, dass „Zölle tatsächlich etwas bewirken", den wir bisher in den Podcasts gehört haben. Die konkreten Bekleidungszoll-Details, die dieser Newsletter eigentlich verfolgen soll, blieben ruhig; im bevorstehenden Berichtszyklus des Fachhandels dürfte sich diese Diskussion wieder öffnen. Geduld ist hier besser als das Thema zu erzwingen.
Quellen
- The Watson Weekly: Walmarts Quartal, Googles agentenbasierter Warenkorb und die K-förmige Wirtschaft (29. Mai 2026). Rick Watson und Jessica Lesesky, Moderatoren (Expertenkommentar zu betriebsseitig gemeldeten Daten).
- Supply Chain Now: Analyse des Q1 2026 U.S. Bank Freight Payment Index (26. Mai 2026). Bobby Holland (U.S. Bank, Director of Freight Business Analytics) und Bob Costello (American Trucking Associations, Chefökonom), Betreiberkommentar; Corinne Bursa und Scott Luton, Moderatoren.