# JPMorgan wird beim Euro bearish und ruft einen stärkeren Dollar aus

> G10-Devisen-Newsletter für die Woche vom 24. bis 31. Mai 2026. Das FX-Desk von JPMorgan positioniert sich mit hoher Überzeugung short in EUR/USD, während Pfund, Franken und Yen in dieser Woche kaum auf dem Radar erscheinen – und der Dollar-Bull-Call eines einzelnen Hauses damit zur lautesten Stimme der Woche wird.

## G10-Devisen: EUR, GBP, CHF und der Yen-Carry-Trade

### Woche vom 24. bis 31. Mai 2026: JPMorgan wird beim Euro bearish und ruft einen stärkeren Dollar aus

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Eigentlich sollte dies das Jahr werden, in dem der Dollar leise nachgibt: Die EZB steht kurz vor dem Ende ihres Zinssenkungszyklus, die BoE bleibt bei hohen Zinsen, und Tokio hat den Finger am Abzug. Doch dann trat JPMorgan am Donnerstag in seinem eigenen Podcast auf und teilte dem Markt höflich mit, dass der Euro nun eine hochüberzeugte Short-Position sei. Die anderen drei Hauptwährungen tauchten diese Woche kaum auf dem Sender auf – was für sich genommen bereits eine Geschichte ist.

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## Kurz zusammengefasst

- **Das FX-Team von JPMorgan ist entschieden bearish für EUR/USD geworden.** Kurzfristige Fair-Value-Spanne: **1,08–1,14**. Eine Verschiebung der Realzinsdifferenz um rund 50 Basispunkte zurück zugunsten des Dollars, die siebte Abwärtsrevision der Wachstumsprognose für die Eurozone in Folge sowie eine Kontraktion in Frankreich im ersten Quartal haben dazu beigetragen.
- **Die Carry-Bedingungen sind weiterhin günstig, doch der Puffer ist hauchdünn.** Die aggregierte FX-Volatilität liegt unter 6,5 – ein Tiefstand seit der Zeit nach Corona –, mit möglicherweise nur noch einem Volatilitätspunkt Spielraum. JPMorgan empfiehlt, AUD/JPY über Optionen statt am Kassamarkt abzubilden.
- **Pfund, Franken und Yen tauchten diese Woche kaum auf dem Sender auf.** Kein Gerede über eine SNB-Intervention, keine Analyse zu Wortmeldungen des japanischen Finanzministeriums (MoF), lediglich ein beiläufiger Hinweis auf den EUR/GBP-Skew im Zusammenhang mit dem Pfund. Dieses Schweigen sollte als Signal gelesen werden, nicht als These.

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## Was ist neu

**Die Euro-Wende ist nun die offizielle Hausmeinung von JPMorgan.** In der Folge von JPMorgan At Any Rate vom 29. Mai bezeichnete Meera Chandan (Co-Head of FX Strategy, London) die Schwäche von EUR/USD als *"verfestigt"*, wobei das kurzfristige Fair-Value-Modell von JPMorgan nun bei **1,08–1,14** liegt. Die von ihr angeführten Auslöser waren ungewöhnlich eindeutig: stagflationäre europäische Einkaufsmanagerindizes ("Produktionskomponenten fallen, Preiskomponenten steigen"), sieben Abwärtsrevisionen der Wachstumsprognose für die Eurozone in Folge sowie eine Verschiebung der Realzinsdifferenzen um rund 50 Basispunkte zurück in Richtung Dollar. Ihr Satz, den man sich merken sollte:

> *"Es ergibt einfach keinen Sinn, dass EUR/USD seine Handelsspanne von Januar/Februar nicht wirklich verlassen hat, obwohl die Preise für Brent-Öl und Erdgas um 40, 45 Prozent gestiegen sind … die Realrenditedifferenz zwischen Europa und den USA hat sich um fast 50 Basispunkte verengt."* (Meera Chandan)

Dieser Satz bringt die gesamte Bear-These auf den Punkt.

**Frankreich tut den Bären keinen Gefallen.** In derselben Folge wies Moderator **Pat Locke** darauf hin, dass die am 29. Mai veröffentlichten BIP-Zahlen Frankreichs für das erste Quartal eine Kontraktion zeigten, und bezeichnete die französischen Einkaufsmanagerindizes als "furchtbar". Er merkte an, dass die europäischen Aktivitäts-Überraschungsindizes von JPMorgan seit rund 2,5 Monaten negativ seien, während die USA neutral bis leicht positiv liegen. All das ist für niemanden, der Paris im Blick hat, eine Überraschung – es verleiht der Euro-Bear-Wende jedoch zusätzlich eine länderspezifische Erzählung, nicht nur eine rein makroökonomische.

**Der Dollar ist gegenüber den Realzinsen "2 Prozent zu billig".** Locke argumentierte, dass sich der DXY von der Realzinsentwicklung der USA entkoppelt habe und Aufholbedarf bestehe. Seine bevorzugten Ausdrucksformen: Short EUR/USD und Long USD/CAD mit einem Kursziel von **1,41–1,4150**. Zudem nannte er zwei binäre Katalysatoren für Juni: ein dritter aufeinanderfolgender Überraschungserfolg bei den US-Arbeitsmarktdaten (*"das wäre von großer Bedeutung … ein Schuss in den Arm für den amerikanischen Exzeptionalismus"*) sowie **Kevin Walshs erste FOMC-Sitzung als Fed-Vorsitzender**, wobei die Äußerungen der Fed "zunehmend restriktiver" ausfallen dürften.

**Carry-Trades lohnen sich weiterhin, doch der Volatilitätspuffer ist nur noch einen Punkt dick.** **Ladislav Jankovic** (Senior FX Vol Strategist) bezifferte die aggregierte implizite FX-Volatilität auf unter 6,5 ("Tiefststände nach Corona, zuletzt 2019/Anfang 2020 gesehen"), wobei der VIX unter 16 liegt und auch die Zinsvolatilitäten schrumpfen. Sein Fazit: Das Umfeld bleibe *"sehr, sehr unterstützend für Carry-Trades"*, doch stehe höchstens noch ein Volatilitätspunkt an weiterer Kompression zur Verfügung. Ehrlich betrachtet: Die realisierte Volatilität findet einen Boden, und das Risiko-Ertrags-Verhältnis für ungesicherte Carry-Positionen verschlechtert sich, selbst wenn der Trade weiterhin Gewinne abwirft.

**AUD/JPY ist der sauberste Yen-Cross, sollte aber über Optionen abgebildet werden.** Jankovic nannte insbesondere **AUD/JPY** als interessante Möglichkeit, einen Yen-Cross-Carry-Trade *"bei diesem Volatilitätsniveau"* umzusetzen, und riet ausdrücklich dazu, dies **über Optionen** statt am Kassamarkt zu tun. In einer Woche ohne jegliche konkrete Wortmeldungen von MoF oder BoJ war dies das Nächste, was jemand an einem Hedging-Rahmenwerk im Stil von August 2024 formulierte. Zudem verwies er auf einen erhöhten **EUR/GBP-Skew**, der bereits vor den jüngsten politischen Spannungen in Großbritannien weit war – ein Kandidat für eine strukturelle Fade-Position über Optionen, keine gerichtete Wette auf das Pfund.

**Die RBNZ zieht den Hochzins-Schenkel vor.** **Arindam Sandilya** (Co-Head of FX Strategy, Singapur) sagte, die neuseeländische Notenbank (RBNZ) sei "etwas restriktiver als erwartet" ausgefallen, was JPMorgan dazu veranlasste, die Zinserhöhungserwartungen für den NZD vorzuziehen auf **100 Basispunkte an Erhöhungen ab Juli 2026**. Der NZD entwickelte sich in dieser Woche überdurchschnittlich. Für die G10-Carry-Hierarchie bedeutet das eine spürbare Aufwertung des hochverzinslichen Schenkels, insbesondere gegenüber den Finanzierungswährungen JPY und CHF.

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## Die Debatte

Ich würde gerne beide Seiten in ihrer stärksten Form vertreten, muss aber ehrlich sagen, was diese Woche tatsächlich auf Sendung kam.

**Das Lager "Euro bearish / Dollar bullish"** ist das einzige Lager, das ins Studio kam. Das Argument von JPMorgan ist klar und selbstverstärkend: stagflationäre europäische Daten, die Kontraktion in Frankreich, eine Verschiebung der Realzinsdifferenzen um rund 50 Basispunkte zugunsten des Dollars, ein Dollar, der gegenüber diesen Realzinsen 2 Prozent zu billig gehandelt wird, sowie US-Daten bis in den Juni hinein (Arbeitsmarktdaten, Walsh), die die Lücke tendenziell weiter vergrößern dürften. Fair Value für EUR/USD bei 1,08–1,14, Long USD/CAD bis 1,41–1,4150, amerikanischer Exzeptionalismus, der sich bis in den Sommer fortsetzt.

**Das Lager "Euro auf 1,20, Pfund auf 1,40, Carry-Trades lohnen sich weiterhin, während der Dollar nachgibt"** – die strukturelle Sichtweise, wonach die EZB mit den Zinssenkungen fertig ist, die BoE bei hohen Zinsen verharrt und SNB sowie Tokio ihre Geldpolitik leise straffen – **kam in den von uns verfolgten Podcasts diese Woche nicht zu Wort**. Gleiches gilt für Tail-Szenarien wie "ein Unfall am britischen Gilt-Markt macht das Pfund zum bevorzugten Short unter den G10-Währungen" oder "eine Zinserhöhung der BoJ in Kombination mit einer Risikoscheu löst eine heftige Auflösung von USD/JPY zurück unter 140 aus". Das sind reale Debatten – die Strategen, die sie führen würden, haben in diesem Zeitraum lediglich nichts in den Podcast-Stream eingespeist.

Man sollte die Einschätzung von JPMorgan als die überzeugteste G10-Meinung lesen, die diese Woche aufgezeichnet wurde – nicht als hausübergreifenden Konsens. Eine koordinierte, unternehmensweite Botschaft, so gut sie auch begründet sein mag, ist nicht der Markt.

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## Umsetzbare Trades

Die umsetzbaren Positionen aus dieser Woche, nach Überzeugungsgrad geordnet, stammen allesamt aus derselben JPMorgan-Folge – das bedeutet, man gewichtet die Überzeugung eines einzelnen Hauses, nicht einen bestätigten Konsens:

- **Short EUR/USD.** Fair Value 1,08–1,14; die Arbeitsmarktdaten und Walshs erste FOMC-Sitzung sind die kurzfristigen Indikatoren.
- **Long USD/CAD, 1,41–1,4150.** Lockes sauberste Ausdrucksform für eine Dollar-Long-Position. Wer das Tail-Risiko absichern möchte, kann eine Options-Überlagerung rund um die **USMCA-Überprüfung am 1. Juli** hinzufügen (Tipp von Jankovic).
- **AUD/JPY über Optionen, nicht am Kassamarkt.** Der Carry-Trade funktioniert weiterhin, doch der Boden der realisierten Volatilität in Kombination mit dem Muskelgedächtnis vom August 2024 bedeutet: Man bezahlt für das rechte Tail-Risiko, statt es zu verkaufen.
- **EUR/GBP-Skew faden**, als relative-Value-Volatilitätsposition. Keine gerichtete Wette auf das Pfund.

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## Weiterführende Implikationen

Sollte JPMorgan recht behalten und sich die Realzinslücke weiter zugunsten des Dollars neigen, ergeben sich folgende naheliegende Folgeeffekte:

- **Bundesanleihen entwickeln sich schwächer als US-Staatsanleihen,** da sich die Renditedifferenz erneut ausweitet.
- **EUR/JPY tendiert schwächer,** wobei der Euro-Schenkel einen Teil der Last übernimmt, die zuvor allein die Finanzierungswährung getragen hat.
- **Europäische Exporteure erhalten einen kleinen Währungsausgleich** für die Verlangsamung der Wirtschaftsaktivität.
- **Zur Schweiz will diese Woche niemand eine klare Einschätzung abgeben.** Bei einem Franken nahe Mehrjahreshochs und einer Schweizer Inflation, die mit Deflation liebäugelt, schwebt die Frage einer möglichen SNB-Intervention über Nestlé, Roche, Novartis, Swatch, Richemont und ABB – doch niemand hat das Thema auf Sendung angesprochen. Für nächste Woche im Auge zu behalten.

Das größere asymmetrische Tail-Risiko ist jenes, das niemand ausgesprochen hat: Bei einer aggregierten FX-Volatilität, die auf einem Tiefstand seit der Corona-Zeit verharrt, und einem VIX unter 16 ist das globale Carry-Buch für ein Regime dimensioniert, das sich bereits am unteren Ende befindet. AUD/JPY über Optionen ist eine Möglichkeit, dieses Risiko zu internalisieren. Ebenso der Kauf von VIX vor den US-Arbeitsmarktdaten im Juni, sofern man diese Position noch nicht hält.

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## Was sich verändert hat

Vor drei Wochen war "der Euro klettert allmählich auf 1,18–1,24" noch ein vernünftiger Konsensrahmen. Diese Woche hat das FX-Desk der größten US-Bank daraus höflich eine Short-Position gemacht. Das ist noch kein Regimewechsel. Aber es ist die Art von Verschiebung, die, sollte sie kommende Woche von jemandem außerhalb der 270 Park Avenue bestätigt werden, zu einem werden könnte.

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## Quellen

- [JPMorgan At Any Rate, *Globale Devisenmärkte: Bearishe Euro-Faktoren nehmen zu, der Dollar entkoppelt sich von den Realzinsen, und ein Update zu den niedrigen FX-Volatilitäten* (29. Mai 2026)](https://app.matterfact.com/podcasts/0eac876f43b511b9b649b5e46cb6aea84efcb60ff54a92274d1b1ddad35281dd)

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## Vollständige Transkripte mit Matterfact

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